Unsere Vision

Die mediterrane und euro-arabische Geschichte: reichhaltig und komplex

Die Mittelmeerregion kann nur im Zusammenhang mit dem gesamten euro-arabischen Raum richtig verstanden werden und ist geprägt von den Hochs und Tiefs unserer Geschichte. Während zweitausend Jahren war sie der Schauplatz von Eroberungen und Kriegen im Zuge des Aufstiegs und Niedergangs großer Zivilisationen.

In jüngerer Vergangenheit griffen das Vereinigte Königreich, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland und die USA nach den Ländern und Ressourcen des Balkans, des Nahen Ostens, des Maschrek und des Maghreb.

Die beiden Weltkriege haben die geopolitische Lage in der Region grundlegend verändert. Nicht so das Verhalten der Kolonialmächte nach dem Niedergang des osmanischen Reichs. Diese versuchten auch weiterhin, ihren Besitzstand zu wahren bzw. noch auszuweiten.

Dieser Einfluss des „Nordens“ besteht bis heute weiter in Form zahlreicher Abkommen und Partnerschaften, welche die Länder im Süden und Osten des Mittelmeers an die Europäische Union und den Westen binden.

Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Mittelmeerregion trotz globalisierter Wirtschaft und Finanzwelt eine privilegierte Drehscheibe für den Austausch zwischen Atlantik, Nahem Osten, Schwarzem Meer und Fernem Osten. Dank ihrer reichen Bodenschätze fand hier die wirtschaftliche Entwicklung zahlreicher Länder weltweit ihren Anfang.

Trotz oder gerade wegen diesen Faktoren ist die Region besonders sensibel als ein Gebiet religiöser Kriege, wirtschaftliche und politische Bruchlinie zwischen Nord und Süd, zwischen Orient und Okzident. Und das Mittelmeer – „Unser Meer“ (mare nostrum) für die Europäer, „Weißes Meer der Mitte“ (al-bahr al-abyadd al-mutawassat) für die Araber – ist je nach Sichtweise ein möglicher Pfad der Hoffnung oder ein Weg der Hoffnungslosigkeit und sogar eine Mauer geworden.

Kooperation: vergebliche Bestrebungen

Seit den 1980er Jahren gab es zahlreiche Bestrebungen, um die Spannungen abzubauen, die seit der Entkolonialisierung zwischen den beteiligten Ländern bestehen. Hierzu zählen das Mittelmeer-Forum, der 5+5-Dialog und der Barcelona-Prozess, den die Europäische Union 1995 mit dem Anspruch initiierte, bis 2010 die größte Freihandelszone der Welt zu schaffen.

Kein einziges Freihandelsabkommen wurde indes unterzeichnet. Als Ersatz folgten bilaterale Partnerschaften zwischen der EU und den einzelnen Ländern im Süden des Mittelmeers.

Die USA hatten 2004 die Pläne eines „Großraums Mittlerer Osten“ entworfen. Damit sollten alle Länder der Region in einen blühenden Wirtschaftsraum integriert werden, und zugleich sollte so der Zugang zu den Energiequellen und die Kontrolle der Wasserressourcen sichergestellt werden. Dieses Projekt hat indirekt zur Schaffung des Mittelmeer-Dialogs zwischen der NATO und einigen arabischen Ländern sowie Israel geführt.

Als Ersatz für den de facto überwiegend wirkungslos gebliebenen Barcelona-Prozess schlug Frankreich 2007 die Schaffung der „Mittelmeer-Union“ vor, ein ehrgeiziges, aber ungeschickt präsentiertes Projekt, das von Anfang an im Norden und Süden des Mittelmeers auf Abwehr stieß. Angesichts dieses Fehlschlags wurde das französische Projekt redimensioniert und zur „Union für den Mittelmeerraum“ umgestaltet, eigentlich eine auf alle 27 EU-Länder erweiterte Form des Barcelona-Prozesses. Die Initiative des französischen Präsidenten Sarkozy wurde zwar nicht wie geplant umgesetzt, hat aber zwei interessanten Ideen hervorgebracht: die Gewährung eines Sitzes für die Arabische Liga und die Einrichtung eines gemeinsamen Vorsitzes eines nördlichen und südlichen Landes.

Allen diesen Vorstößen gemein ist der Wille des Nordens, seine Wirtschaftsregeln, die das europäische Konstrukt gestaltet und auch die Handelsströme determiniert haben, auf die Länder südlich des Mittelmeers auszuweiten. Der Norden führte alle diese Verhandlungen mit den Regierungen und politischen Regimes im Süden und Osten des Mittelmeers, die sich oft wenig um das Wohlergehen ihrer Bevölkerung kümmerten; die Erwartungen und Bedürfnisse der Völker kamen viel zu kurz.

Den Völkern zuhören

Während sich Europa an seiner Ostgrenze grundlegend verändert und eine ganze Reihe neuer Länder integriert hat, die zuvor unter dem Einfluss der Sowjetunion standen, sind Südeuropa und das Mittelmeergebiet die Stiefkinder der Kooperation geblieben. Heute, in Folge der Umwälzungen südlich des Mittelmeers, welche die politische Landschaft grundlegend verändert haben, und vor allem des grausamen Terrorismus‘ des sog. IS/Daech und den Millionen von Flüchtlingen, sowohl in arabischen wie europäischen Ländern ist es unumgänglich, sich an die Ambitionen zu erinnern, die es dreißig Jahre zuvor gegeben hatte, und die Verpflichtung einzugehen, aus dieser Region eine Zone zu machen, „in der Friede, Sicherheit, Toleranz, gegenseitiges Verständnis und Austausch zwischen den Völkern der Region herrschen, innerhalb eines Rahmens, der Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Pluralismus und die Menschenrechte fördert“ (Zitat woher/von wem?).

Doch kann dieses durchaus ehrgeizige Ziel nur erreicht werden, wenn die Erwartungen und Bedürfnisse der Völker direkt mit einbezogen werden. Erst im Rahmen einer solchen Verpflichtung kann die euro-arabische Zusammenarbeit in einem neuen Licht angegangen und können neue Wege aufgezeigt werden, die über einen Frieden um des Handels willen hinausgehen.

Dafür setzt sich die FDMEA ein

Die „Stiftung zur Förderung des mediterranen und euro-arabischen Dialogs“ (FDMEA) ist unabhängig, religiös und politisch ungebunden und setzt sich für den Dialog zwischen Einzelpersonen, Gemeinschaften und Völkern im euro-arabischen Raum ein, um in dieser Region einen Raum des Friedens und des Wohlstands zu schaffen. Die Stiftung schlägt dafür vor, einen umfassenden Konzertierungsprozess zwischen allen Ländern und Völkern der mediterranen und euro-arabischen Region einzuleiten, der in ein umfassendes Kooperations- und Sicherheitsabkommen für eben diese Region münden soll.
 
Die Stiftung lässt sich dabei von folgenden Grundsätzen leiten:

  1. Beitragen zum Bau einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft, damit der einzelne Bürger, Gemeinschaften und Völker der euro-arabischen Region befähigt werden, ihr Potenzial zur Entwicklung und zur Verbesserung der Lebensqualität vollständig auszuschöpfen und dies namentlich in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der Erklärung von Philadelphia.
  2. Anstreben der Errichtung eines gemeinsamen Friedens- und Stabilitätsraums, indem der politische Dialog in Sicherheitsfragen gestärkt und der Aufbau einer gemeinsamen Wohlstandszone durch wirtschaftliche und finanzielle Partnerschaften und die schrittweise Errichtung einer Freihandelszone erreicht werden.
  3. Fördern der Annäherung der Bürger, Gemeinschaften und Völker der Region, indem der kulturelle Dialog, der Handel und der Tourismus gestärkt werden.
  4. Ergreifen aller geeigneten Maßnahmen, um die Umweltverschmutzung und die Folgen der Entwaldung und des Klimawandels zu bekämpfen und um der Herausforderung der sich verknappenden Wasserressourcen Herr zu werden.
  5. Nutzen und fördern aller Formen erneuerbarer Energien und Gewährleisten einer nachhaltigen Lebensqualität für alle.

Ein „Weißbuch“ auf dem Weg zum Erfolg

Die „Stiftung zur Förderung des mediterranen und euro-arabischen Dialogs“ (FDMEA) ist überzeugt, dass ein Übereinkommen nur dann die Ambitionen der letzten drei Jahrzehnte erfüllen kann, wenn es den legitimen Erwartungen und Rechten der Völker gerecht wird.

Darum ruft die FDMEA alle Länder, Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen auf, die ein Interesse an einer neuen Art mediterraner und euro-arabischer Zusammenarbeit haben, sich unter Berücksichtigung der Erwartungen in diesen Regionen auf einen Konzertierungs- und Kooperationsprozess einzulassen.

Die Stiftung schlägt vor, dass vor Beginn eines solchen Prozesses, der alle interessierten Partner im Norden, Süden und Osten des Mittelmeers vereint, ein Weißbuch verfasst werden soll, das alle Sensibilitäten und Spezifika des mediterranen und euro-arabischen Raumes berücksichtigt.

Im Weißbuch werden alle Ergebnisse der Vorarbeiten festgehalten und aufgeführt, und es dient als Grundlage für die Verhandlungen eine zweite Phase des Konzertierungs- und Kooperationsprozesses, an dem sich zusammen mit der Zivilgesellschaft auch alle interessierten Staaten der Region beteiligen.