Chronologie

1957: Die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft werden unterzeichnet. Bereits 1969 wird mit der Unterzeichnung von Handelsabkommen mit Marokko und Tunesien der Wille zu einer Zusammenarbeit mit dem Maghreb dokumentiert.

1972: Der Europäische Rat lanciert in Paris die Globale Mittelmeerpolitik (GMP). Damit sollen die Beziehungen im Mittelmeerraum über die bislang rein handelstechnischen Abkommen hinaus auch eine politische und regionale Dimension erhalten. Es kommen immer mehr bilaterale Handelsabkommen hinzu, die eine engere Zusammenarbeit in Wirtschafts- und Finanzfragen beinhalten (1975: Israel; 1976: Marokko, Algerien, Tunesien; 1977: Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien). Griechenland, Türkei, Malta und Zypern genießen Abkommen mit Sonderstatus. Libyen und Albanien sind von jeglichen Verhandlungen ausgeschlossen.

1976: Das Übereinkommen von Barcelona für den Schutz des Mittelmeers wird unterzeichnet (Inkrafttreten im Februar 1978) und ein Aktionsplan für das Mittelmeer unter der Schirmherrschaft der UNO verabschiedet. Daran beteiligt sind die EWG und 21 Anrainerstaaten.

1981: Griechenland tritt der EWG bei.

1986: Spanien und Portugal treten der EWG bei.

1990: Die Europäische Kommission ist überzeugt, dass „die geografische Nähe und die intensiven Beziehungen unterschiedlichster Art die Stabilität und den Wohlstand der Drittstaaten im Mittelmeerraum zu zentralen Aspekten für die Gemeinschaft selber machen“ und schlägt die Erarbeitung einer Neuen Mittelmeerpolitik (NMP) vor. Sie wird im Dezember vom Europäischen Rat verabschiedet und will das Vorgehen der Gemeinschaft bei Drittländern im Mittelmeerraum (DLM) stärken, indem ihre wirtschaftlichen und strukturellen Reformbestrebungen gefördert werden und der Öffnungsprozess, den einige von ihnen eingeleitet haben, unterstützt wird.

1993: Das Oslo-Abkommen zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) wird unterzeichnet. Die Hoffnung ist groß, dass das Ende des Nahostkonflikts naht und somit der Weg für eine euro-mediterrane Politik geöffnet wird, die ehrgeiziger ist als alle bisherigen Versuche.

1995:

März: Die Vereinbarung über eine Zollunion zwischen der EU und der Türkei wird unterzeichnet.

November: In Barcelona wird die Euro-mediterrane Partnerschaft mit den damals 15 EU-Mitgliedstaaten und 10 Ländern/Instanzen im Süden und Osten des Mittelmeers ins Leben gerufen (Algerien, Ägypten, Israel, Jordanien, Libanon, Marokko, Syrien, Tunesien, Türkei, Palästinensische Autonomiebehörde). Der Gründungsvertrag sieht die Umsetzung einer umfassenden Partnerschaft zwischen den beiden Mittelmeerufern mittels eines verstärkten politischen Dialogs vor, um das Entstehen eines „gemeinsamen Raums des Friedens und der Stabilität“ zu fördern und durch wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit „eine Zone gemeinsamen Wohlstands“ zu schaffen. In einem dritten Teil sieht der Vertrag vor, „die Verständigung zwischen den Kulturen und den Austausch zwischen den Zivilgesellschaften zu fördern“, um zu einer „Annäherung der Völker“ zu führen.

November: Das Assoziierungsabkommen EU-Israel wird unterzeichnet (Inkrafttreten im Juni 2000).

1996:

Februar: Das Assoziierungsabkommen EU-Marokko wird unterzeichnet (Inkrafttreten im März 2000).

Juli: Der Europäische Rat startet das MEDA-Programm, wichtigstes Finanzierungsinstrument für bilaterale und regionale Kooperationsprojekte im Rahmen der Euro-mediterranen Partnerschaft. MEDA I wird im Jahr 2000 zu MEDA II umgebaut.

1997:

Februar: Das Interimsassoziationsabkommen EU-Palästinensische Autonomiebehörde wird unterzeichnet (Inkrafttreten im Juli 1997).

November: Das Assoziierungsabkommen EU-Jordanien wird unterzeichnet (Inkrafttreten im Mai 2002).

2001: Das Assoziierungsabkommen EU-Ägypten wird unterzeichnet (Inkrafttreten im Juni 2004).

2002: Das Assoziierungsabkommen EU-Algerien wird unterzeichnet (Inkrafttreten im September 2005).

2003: Das Euromediterrane Parlamentarische Forum (auch: euro-mediterraner parlamentarischer Dialog), das durch die Erklärung von Barcelona errichtet wurde, wird zu einer Ständigen parlamentarischen Versammlung (EMPA), die später zum einzigen parlamentarischen Organ des euromediterranen Prozesses wird, zur Parlamentarischen Versammlung der Union für den Mittelmeerraum (PV-UfM).

2004:

Februar: Mit der Unterzeichnung des Vertrags von Agadir schaffen Ägypten, Jordanien, Marokko und Tunesien eine Freihandelszone. Dieses Projekt wird von der Europäischen Kommission mit 4 Millionen Euro unterstützt.

Mai: Die EU wird von 15 auf 25 Mitgliedstaaten erweitert (Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern). Um dem Risiko neuer Bruchlinien zwischen der erweiterten EU und den Nachbarländern zu vermeiden, etabliert der EU-Rat die Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP), die den Beziehungsrahmen mit den Anrainerstaaten neu definiert.

Juni: Die Europäische Union schließt eine Strategische Partnerschaft für den Mittelmeerraum und den Nahen Osten ab, der sich als Reaktion auf die amerikanische Initiative des „Großraums Mittlerer Osten“ an die Mittelmeerländer, an die Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats, an Iran, Jemen und Irak richtet.

2005:

Januar: Europa ruft das „Mittelmeer-Jahr“ aus.

März: Erste offizielle Sitzung der Euromediterranen Parlamentarischen Versammlung in Kairo.

November: Außerordentliches Gipfeltreffen der Staatschefs in Barcelona zum 10-jährigen Bestehen des Barcelona-Prozesses. Kaum ein arabischer Staatschef ist anwesend. Die wachsenden Spannungen im Nahen Osten haben die Euromediterrane Partnerschaft ins Stocken gebracht.

2008: Auf Anregung des französischen Vorsitzes wird die Union für den Mittelmeerraum (UfM) in Paris ins Leben gerufen. Sie soll an die Stelle des taumelnden Barcelona-Prozesses treten. Die UfM steht allen Anrainerstaaten des Mittelmeers offen. Sechzehn davon werden schließlich neben den 27 EU-Mitgliedstaaten Mitglieder: Ägypten, Albanien, Algerien, Bosnien-Herzegowina, Israel, Jordanien, Kroatien, Libanon, Mauretanien, Marokko, Monaco, Montenegro, Palästinensische Autonomiebehörde, Syrien, Tunesien und Türkei. Der Vorsitz wird gemeinsam geführt, von je einem Land aus dem Süden und dem Norden. 2010 wird das Sekretariat in Barcelona errichtet.

2011:

Januar: In Tunesien gibt der Präsident Zine el-Abidine Ben Ali nach einem mehrwöchigen Volksaufstand am 14.1. die Macht ab und flieht aus dem Lande. Der sog. „Arabische Frühling“ beginnt. Ein Monat später wird auch der ägyptische Präsident Husni Mubarak, der Mitvorsitzender der UfM war, zu Fall gebracht. Zwischen Europa und dem euromediterranen Raum bricht eine neue Zeit an.

2013: Gründung der Stiftung zur Förderung des mediterranen und euro-arabischen Dialogs (FDMEA) in Genf.

2016:

April: Das Global Studies Institute der Universität Genf veröffentlicht einen Bericht, der die Erarbeitung eines „Weißbuchs der Zivilgesellschaft für die euro-arabische Kooperation“ empfiehlt.